Montag, 17. August 2009

Die Wacholderheide am Ars Natura

Abstecher zu Natur und Geschichte

Eine der größten Wacholderheiden in Nordhessen findet man oberhalb von Vockerode- Dinkelberg und kurz unterhalb des Barbarossaweges zwischen Reichenbach und Spangenberg. Kaum zu glauben, dass sogar ein Wegweiser auf dem Barbarossaweg am Abzweig nach Vockerode auf die ehemalige Gemeindehute für Schafe und Ziegen hinweist, die nicht nur als wertvolles Naturschutzgebiet, sondern auch als spannendes historisches Denkmal begriffen werden darf.

Tatsächlich nämlich sahen im Mittelalter weite Teile der Mittelgebirgslagen so aus wie die Vockeröder Heide, die allzu oft selbst von Einwohnern der Region mit der touristisch beworbenen Heidelandschaft im Karstgebiet des hohen Meißner und den Meißnerort Vockerode verwechselt wird. Über das mehr als 15 Hektar große seit 1966 unter Landschaftsschutz und seit 1992 unter Naturschutz stehende Biotop direkt unterhalb des Ars Natura oberhalb des Spangenberger Stadtteils Vockerode- Dinkelberg, erfährt der Tourist in der Regel kaum etwas. Dabei ist es nicht wirklich ein Umweg, wenn man am Hinweisschild zur Vockeröder Heide verwegen den Barbarossaweg verlässt und dem bequemen Weg auf halber Hanglage, entlang der Wacholderheide folgt, der ebenfalls in Richtung Spangenberg führt. Nach passieren der Heidelandschaft auf dem Weg, der an bestimmten Stellen den Blick auf die historisch miteinander verbundenen Dörfer Vockerode- Dinkelberg, Wickersrode und Weidelbach gleichzeitig preisgibt, kann man sich an den nächsten Weggabelungen entscheiden, zum Ars Natura zurückzukehren, oder eben einen der Parallelwege nach Spangenberg zu wählen. Wäre man auf dem Barbarossaweg geblieben, so hätte man nicht nur auf die Erfahrung der hochinteressanten Wacholderheide, sondern auch auf die wunderbaren Ausblicke verzichten müssen. Denn der gut ausgeschilderte Fernwanderweg gibt als umwaldeter Höhenweg keinen Blick in die Täler preis. Der Wanderer muss auf dem X8 auf den Blick auf den hohen Meissner ebenso verzichten, wie beispielsweise auf den „Eisberg“ genannten, immerhin 583 Meter hohen historischen Grenzberg, über den die sogenannte Franzosenstraße führt oder eben den drei- Dörfer- Blick und vieles andere mehr.

Abseits der ausgetretenen Pfade - Natur und Kultur pur

Aber zurück zur Vockeröder Heide, die ja der eigentliche Grund für das Abweichen vom Fernwanderweg mit den modernen Kunstwerken war. Immerhin findet man in dem sorgsam gepflegten und von einer Interessengemeinschaft Vockeröder Heide e.V. aus Spangenberg betreuten Landschaftsdenkmal Rote-Liste Arten wie Arnika, Weiße Waldhyazinte, Rippenfarn oder den rundblättrigen Sonnentau. Als botanische Raritäten dürfen aber auch die hier lebenden Quentel- Kreuzblümchen, Grüne und Graue Segge, Sumpfveilchen, Sumpfweidenröschen und Geflecktes Knabenkraut gelten. Und die Tierwelt der Wachholderheide kann mit seltenen Schmetterlingsarten wie Bläulinge oder auch selten gewordenen Libellen- und Heuschreckenarten aufwarten.
Dass beim Wandern in der gesamten Region die zahme und wilde Tierwelt ohnehin immer präsent ist, sollte vielleicht auch einmal erwähnt werden. So begegnet der Wanderer nicht nur Kühen, Schafen und Pferden auf ihren Koppeln, selbst am helllichten Tage lassen sich durchaus auch immer wieder Rehe am Waldrand sehen. Und die markanten Schreie der mächtigen Bussarde und Rotmilane, die majestätisch hoch über den Wipfeln der Bäume kreisen, begleiten den Wanderer ohnehin auf all seinen Wegen durch das geschichtsträchtige Mittelgebirge zwischen Fulda und Werra. Die inzwischen hier auch wieder heimisch gewordene extrem scheue Wildkatze allerdings dürfte der Normalsterbliche wohl kaum zu Gesicht bekommen.