Donnerstag, 12. Juli 2012

Reichenbach bei Hessisch Lichtenau

Ein unscheinbares Dorf mit eindrucksvoller Vergangenheit

Burg, Kloster, Verwaltungszentrum des Deutschen Ordens, Knotenpunkt überregionaler Handelswege, waren die Merkmale des heute bedeutungslosen Ortes im Mittelalter. Und um es gleich vorweg zu nehmen, Reichenbach hatte nie die Chance, eine größere Stadt zu werden. Trotzdem war die Siedlung, die vermutlich im Rahmen der intensiven Siedlungs- und Rodungstätigkeit unter fränkisch- adliger Führung ab dem 8. Jahrhundert entstanden war, im Früh- und Hochmittelalter sehr bedeutend. Die vermutlich 1050 erbaute Burg und die Höhensiedlung Reichenbach lagen beherrschend und strategisch günstig an einem ganzen Bündel, sich kreuzender regionaler und überregionaler Handelswege. Zum Artikel in der Northessen Rundschau

Kloster- und Deutschordenskirche Reichenbach
Ein archäologisches Kleinod im Werra-Fulda-Dreieck

Mit den Grabungen an der Reichenbacher Kloster- und Ordenskirche fand in den ziebziger Jahren die größte Kirchengrabung in Nordhessen mit damals hochmodernen Methoden statt. Natürlich haben die Ausgrabungen mehr als nur Kirchenfundamente zu Tage gebracht. Begräbnisstätten aus mehreren Jahrhunderten und Ansätze der Klostermauern oder frühmittelalterlichen Siedlungsanlagen geben zusammen mit den schriftlichen Quellen einen tiefen Einblick in die Geschichte dieses heute unscheinbaren Ortes. Zum Artikel in der Nordhessen Rundschau.

Burg Reichenbach
Früher Amtssitz der Hessischen Landgrafen

Heute steht nur noch der Bergfried der einstmals mächtigen Festung, die von den Anwohnern seit Jahrhunderten sogar als Schloss bezeichnet wurde. Inwieweit auf dem strategisch günstig gelegenen Berg, dort, wo das Geschlecht der Gozmaren wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert die Burg zu Reichenbach errichtete, auch frühere Befestigungsanlagen existierten, ist noch unbekannt. Fest steht aber, dass die etwa 2 Kilometer entfernte Siedlung Reichenbach, der die Burg ihren Namen verdankt, schon im 7./8. Jahrhundert ein befestigter fränkischer Adelssitz war. Zum Artikel in der Nordhessen Rundschau

 
Hintergrundinformationen: Das Frankenreich in Deutschland
Herrschaft durch Adelshöfe, Klöster, Pfalzen und Reisekönigtum
Ein Reich wie das der Franken, ohne städtische Verwaltungszentren und ohne entwickelte Verkehrsinfrastruktur zu beherrschen, erforderte eine ganz spezielle Organisation. Und diese Organisation wurde mit der Niederlassung fränkischer Adeliger, im heutigen Hessen etwa im 8. Jahrhundert, mit der Missionierung und der Kirchen- und Klostergründung systematisch aufgebaut. Reichenbach war ein zentraler Kristallisatinspunkt fränkischer Herrschaftsentwicklung in dieser Region.

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