am 17. Juni 2012 um 11:00. Treffpunkt Hirschhagen (Hessisch-Lichtenau): Altes Wachhaus, Dieselstraße
geführte Wanderung auf dem Themenweg in Hirschhagen
Von einer der größten Sprengstofffabriken des Dritten Reiches zum Industriegebiet.
Dauer: ca. 2 Stunden
Anschließend besteht die Möglichkeit eines gemeinsamen Mittagessens in der Gaststätte „Zum Rohrbachtal“ in Hirschhagen
Näheres zur Wanderung auf Facebook
Zum Thema von Wolfgang Schwerdt:
Es war die zweitgrößte Sprengstoff- und Munitionsfabrik des Dritten Reiches, die im Schutz der hessischen Wälder bei Hessisch Lichtenau gebaut und betrieben wurde.
Gebäude zur Säureverarbeitung
TNT aus Friedland
Als 1935 in der abgelegenen und weitgehend unbewohnten Region um Hessisch Lichtenau, im Forst Hirschhagen mit Wege- Straßen- und Schienenbau begonnen wurde, da waren dies ebenso wie die Neuordnung der Wasserversorgung im Rahmen von „Programmen für Arbeitslose“ die Erschließungsarbeiten für den geheimen Aufbau einer der gigantischsten Produktionsstätten für Sprengstoff- und Munition des Dritten Reiches. Unter dem Tarnnamen „Friedland“ wurden hier ab 1936 auf einer Fläche von 233 Hektar 399 Werksgebäude zwei Kraftwerke und nicht zuletzt rund 17 Kilometer Gleisanlagen gebaut. Allein die Bautätigkeit ging ununterbrochen bis März 1945. Bis zu 2000 Bauarbeiter und mehr als 1000 Arbeitsdienstmänner bauten ständig neue Anlagen und reparierten Explosionsschäden. Schließlich waren die Herstellung von TNT (Trinitrotoluol) und Pikrin (Trinitrophenol) hochkomplexe und gefährliches Verfahren.
Sprengstofffabrik Hirschhagen
1938 wurde mit der Produktion des TNT begonnen. Dabei kamen nicht nur die Chemikalien Schwefelsäure, Toluol, Nitriersäure, Natriumsulfit und Bicarbonat zum Einsatz, für eine Tonne TNT wurden auch 130 Kilowattstunden Strom, 110 Kubikmeter Wasser und 4 Tonnen Dampf benötigt. In drei Schritten wurde das Toluol jeweils in unterschiedlichen Gebäuden nitriert, bis aus dem flüssigen Toluol über das Mononitrotoluol und das Binitrotoluol das im kalten Zustand feste TNT wurde. Nach jedem Nitriervorgang musste das Produkt sorgfältig mit Hilfe von Natriumsulfit- und Bicarbonatlösungen – selbstverständlich wieder in separaten Spezialgebäuden - gewaschen werden. Gebäude für die Lagerung der Zwischenprodukte, für die Trocknung, Granulierung Lagerung und Versand des Endproduktes waren erforderlich. Ähnlich gestaltete sich die Situation bei der Herstellung der anderen Produkte und schließlich das Abfüllen des Sprengstoffes in Minen, Granaten und Bomben. 1942/43 hatte das Werk schließlich eine Produktionskapazität von etwa 80 Tonnen TNT pro Tag erreicht
Zwangsarbeiter und KZ- Häftlinge „kochen“ Sprengstoff für Deutschland
Es war natürlich nicht die Sorge um Leben und Gesundheit der zwangsverpflichteten Arbeitskräfte oder der Juden aus dem KZ Buchenwald, die hier in großer Zahl zum Einsatz kamen. Wegen der möglichen Produktionsausfälle durch Explosionen wurde die Herstellung der Sprengstoffe auf viele kleine, weit im Gelände verstreute Gebäude verteilt. Damit entstand am Ende die unglaubliche Zahl von 399 Häusern.
Die Minimierung von Unfallbedingten Produktionsausfällen und Tarnung waren Leitmotiv der Anlagenkonzeption. So waren die Gebäude mit Ausnahme der mehrgeschossigen Säurespaltanlagen, die der Rückgewinnung der immer knapper werdenden Rohmaterialien dienten, in der Regel eingeschossig und mit flachen, an den Rändern ausgefransten und mit Sträuchern und Bäumen bepflanzten Dächern versehen. Um Explosionsschäden so gering wie möglich zu halten, bestanden die Produktionshallen aus Stahlbetongerüsten, deren Wände mit leichtem Bimsstein ausgemauert waren, die den Explosionsdruck durch Herausfliegen abbauen sollten. Lagerbunker beispielsweise, die besonders explosionsgefährdet waren, wurden entweder in die Erde eingegraben oder mit hohen Erdwällen umgeben. All das ist noch heute ebenso zu sehen, wie beispielsweise der große Kühlwasserteich, der nur für Mitglieder des örtlichen Anglervereins zugänglich ist oder das 500 Kubikmeter fassende Wasserreservoir auf der Spitze des nahegelegenen 522 Meter hohen Rohrbergs.
Gewerbegebiet Hirschhagen
Die logistischen Herausforderungen einer solchen Anlage waren enorm und wurden letztendlich nicht nur durch interessante technische Lösungen, sondern vor allem auch durch den menschenverachtenden Einsatz der Arbeitskräfte und die rücksichtslose Umweltbelastung, deren Folgen noch immer nicht vollständig beseitigt sind, bewältigt.
Nachdem das Werk nach dem Krieg von den Alliierten demontiert worden war, richteten sich nahezu übergangslos viele kleine Firmen in den Gebäuden der damals nahezu intakten ehemaligen Sprengstofffabrik ein. Heute kann man im Gewerbegebiet Hirschhagen nicht nur an vielen Werkhallen, sondern auch an Wohn- und anderen Nutzgebäuden die mehr oder weniger aufwändig überputzten oder verkleideten Grundelemente der alten Betonrahmenbauten erkennen.
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In diesem Buch werden nach und nach verschiedene Aspekte des Abenteuerlandes Werra- Meissner vorgestellt, um zu zeigen, dass diese Region eigentlich zu Unrecht touristisches Entwicklungsland ist. Hier findet man Natur, Kultur, Geschichte im Überfluss und man darf das meiste davon im Gegensatz zu anderen gut erschlossenen und touristisch hervorragend durchorganisierten Regionen, noch selbst entdecken. Dazu sagen meine Leser:
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“Es geht um Typisches und um Wissenswertes, wobei das Wort “wert” sehr wichtig ist: So vieles ist es wert, entdeckt zu werden. Egal, ob es nun um Wanderrouten geht, um die Person der Sophie Henschel, um die”richtig anspruchsvollen selbstgemachten” kulturellen Attraktionen der Region, um entdeckenswerte Alte Haustierrassen (die nicht nur in Witzenhausen oder Laudenbach seltene Schnappschüsse ermöglichen), oder um ein Plädoyer für Herbstwanderungen… Nichts wird über das andere gestellt.
Persönlichkeiten und ihre Hintergründe, Architektur, Geschichte. Nichts scheint zu kurz zu kommen, alles ist untrennbar miteinander verwoben. Nicht zuletzt wird das Augenmerk gelenkt auf jene landschaftlichen Schönheiten, die der Gast eben nur mit Hilfe von Insider-Tipps finden kann. Und genau das ist es ja, was dieses Kindle bietet: Die nötigen Insider-Tips, damit man ja nichts verpasst von einer Region, die durch sagenumwobene Landschaften genauso geprägt wird wie durch eine turbulente Vergangenheit. Und von der erzählen noch viele eindrucksvolle Überbleibsel.” Philippe Rivoir





