Gerade einmal zwei Kilometer misst die Bahnstrecke zwischen Bischausen und Waldkappel und statt eines Bahnhofs erwartet den Nutzer des idyllischen historischen Streckenabschnitts der alten Kanonenbahn ein Bauwagen. Eine Eisenbahn sucht der Gast ebenfalls vergebens, stattdessen darf er, begleitet von einem Mitglied des rührigen Vereins zur Erhaltung von Signal- und Sicherungstechnik e.V., kräftig in die Pedale treten, um die scheinbar kurze Strecke mittels einer Fahrraddraisine zu bewältigen.Immerhin, es geht bergauf und das merkt der ungeübte Draisinentreter in den Beinen, spätestens wenn er sich der großen Schranke nähert, die den Bahnübergang eines landwirtschaftlichen Nutzweges sichert. Wie gut, dass der Zug- bzw. Draisinenbegleiter bei Bedarf mit in die Pedale tritt. Interessant ist nicht nur die sportliche Erfahrung, die - nach dem Umdrehen der Draisine - mit einer rauschenden Rückfahrt - weil diesmal natürlich bergab -, endet. Es ist auch die Signal- und Sicherungstechnik und der hautnah zu erlebende Bahnbetrieb, der die Reise in die analoge Bahnvergangenheit so spannend macht.
Derzeit finden sich an der Bahnstrecke der Hauptübergang bei Kilometer 59,6, die fernbediente Schranke bei Kilometer 59,560, die Anrufschranke in Kilometer 60,500 und das Block
- und Deckungssignal B in Kilometer 59,700. Geplant ist natürlich die Installation zahlreicher weiterer mechanischer Signal- und Sicherungstechnik. So zum Beispiel viele verschiedene Bauformen der mechanischen Schranken der DB und DR ab 1920. Oder auch ehemalige Blinklichtanlagen von DB und DR, und nicht zuletzt mechanische und elektrische Signale vieler Bauformen inklusiv der Übertragungs und Stelleinrichtungen, wie Stellwerk, Signalhebel und die dazugehörigen Spannwerke. Und dann sind da noch die Fernmeldefreileitungen und ihre Besonderheiten, wie einfache Telegrafenmasten, spezielle Formen, Belegung der Leitung mit verschiedenen Isolatoren oder Doppeltelegrafenmasten, die der Verein auf dem nach eigenen Angaben letzten (historischen) Stück der Kanonenbahn im Werra - Meißner - Kreis präsentieren möchte.Die auch landschaftlich reizvolle Strecke, die hier dem Publikum wieder zugänglich gemacht wurde, soll und wird keine Museumsbahn werden. Sie ist vom Initiatoren des 2009 gegründeten Vereins als in Deutschland einmaliger eisenbahntechnischer Lehrpfad geplant. Bereits im Jahre 2000
war der eingefleischte Eisenbahner, Romano Sawikowsky aus Marburg a.d. Lahn nach Bischhausen gezogen, hatte den Bahnübergang gekauft, die Strecke gepachtet und gerodet und sich neben seinem Beruf als Lockführer zusammen mit seinen Mitstreitern wie Nils Schmöckel und Stefanie Knaebel ganz dem Aufbau dieses vielseitigen und zukunftsweisenden Regionalprojektes gewidmet.Natürlich gibt es noch viel zu tun. Auch wenn bundesweit immer wieder Angebote eintrudeln, interessante Einrichtungen für den eisenbahntechnischen Lehrpfad im Wehretal abzubauen, allein der Transportist für den kleinen Verein ohne Sponsoren unerschwinglich. Auf die eigentlich naheliegende Unterstützung durch die Deutsche Bundesbahn jedenfalls, konnte sich der Verein bislang nicht stützen. Und auch so mancher im Werra-Meissner-Kreis ansässige Spediteur könnte hier sicherlich den einen oder anderen für ihn werbewirksamen und für das Projekt hilfreichen Einsatz leisten.
Wer den Verein als Sponsor technisch und logistisch unterstützen möchte oder wer einfach eine Draisinenfahrt buchen möchte kann sich unter 0 56 58 / 9 22 98 50 oder 01 51 / 40 15 25 38 melden. Und wer mehr über das Projekt und seine Macher erfahren und sich auf dem Laufenden halten möchte, dem sei die Vereinshomepage empfohlen.
Fotos: Wolfgang Schwerdt


Über die Trassen der vergessenen Eisenbahnen im Werra-Meissner-Land lesen Sie hier