Mittwoch, 30. September 2009

Die (Kultur-) Wüste lebt!

Die Region hat mehr als nur Natur zu bieten

Das Werra-Meissner-Land ist nicht nur Natur Pur, die bei der Erforschung per Pedes oder per Fahrrad immer wieder Überraschendes preis gibt. Auch das kulturgeschichtliche Veranstaltungs- und Ausstellungsangebot der nahegelegenen größeren Städte wie Kassel und Göttingen verblüfft bei näherem Hinsehen durchaus. Das "Ottoneum" in Kassel ist - marketingtechnisch irgendwie abgekoppelt von der "Kasseler Museumslandschaft"- ein eindeutiger Geheimtipp. Die Lehrsammlungen der Göttinger Universität noch in ganz besonderem Maße. Drei kulturgeschichtliche Göttinger Leckerbissen, die sich der Besucher des Werra- Meissner- Landes nicht entgehen lassen sollte (es soll hier sogar gelegentlich Regentage geben!), sollen hier einmal vorgestellt werden.

Die Cook/Forster- Sammlung in Göttingen

Artefakte von Weltrang in den Archiven der Göttinger Uni
Wenn am 28.08.2009 die Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee“ in Bonn ihre Pforten öffnet, dann stellen die Artefakte der Göttinger Cook/Forster- Sammlung einen wesentlichen Teil der Präsentation dar. In Göttingen selbst allerdings fristen einige Artefakte der immerhin mehr als 500 Stücke umfassenden Sammlung von Weltrang ein eher bescheidenes öffentliches Dasein als Teil der nur Sonntags für zwei Stunden für das Publikum geöffneten Lehrsammlung des ethnologischen Instituts der Universität Göttingen. Der Rest schlummert im Archiv der Einrichtung. Mehr dazu

Die Mosaikkarte von Madaba
Ein Highlight in der Göttinger Gipsabgussammlung
War das im heutigen Jordanien gelegene Madaba in frühbyzantinischer Zeit ein boomender Wallfahrtsort für die Pilger auf dem Weg zum Berg Nebo, so sind es heute die Touristen, die nicht zuletzt wegen der vielen antiken Mosaikböden des Ortes, hier Station machen. Nicht zuletzt der Besucherandrang führte dazu, dass das Originalmosaik in der St. Georgs- Basilika zusehends zerfiel und 1965 auf Initiative des Göttinger Alttestamentlers, Prof. Dr. Herbert Donner durch den Direktor des Trierer Landesmuseums Dr. Heinz Cüppers grundlegend restauriert werden musste. Dabei musste das Mosaik völlig aufgenommen, auf Klebebahnen wieder zusammengesetzt und schließlich in einen neuen Grund eingelassen werden. Denn die Mosaiksteine hatten sich nicht nur größtenteils vom Boden gelöst, dieser hatte sich zudem aufgeworfen und drohte zu springen. Es lag nahe, im Rahmen dieser aufwändigen Generalsanierung eine Kopie anzufertigen, die einzige, die mit Hilfe der originalen Abformungen erstellt wurde und nun in der Göttinger Gipsabgusssammlung zu finden ist. Mehr dazu

Geologie für die ganze Familie
Besuch im Göttinger Geozentrum
Trotz seiner überschaubaren Größe lohnt sich ein Besuch in der Ausstellung "Sprache der Steine", die viele interessante Informationen, schöne Steine und Fossilien und eben einige Überraschungen bietet. Und bei einem Besuch im Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen kann man auch gleich noch die anderen Ausstellungen besuchen, darunter jene, die sich mit Stromatolithen befasst, also uralten Gesteinen, die von Photosynthese betreibenden Organismen gebildet wurden. Und wer dann noch nicht genug hat, kann bei einem Spaziergang durch den Geopark durch die Erdgeschichte wandern - und das alles kostenlos. Mehr dazu

Mosaikkarte von Madaba. Foto: Wolfgang Schwerdt

Dienstag, 29. September 2009

Orang-Utan & Co

Das Leben in asiatischen Regenwäldern

Noch bis zum 25.10.2009 zeigt die Sonderausstellung Orang-Utan & Co im Naturkundemuseums Kassel "Ottoneum" das Leben in asiatischen Regenwäldern.
Die Regenwälder Südostasiens gehören zu den ältesten der Welt. Die Ausstellung zeigt nicht nur Tiger und Pandas in ihren Lebensräumen, sondern auch die farbenprächtige Welt der Tropenvögel, Insekten und Reptilien.
Die Stars sind aber lebendige tropische Schlangen, Frösche, Vogelspinnen und andere Tiere, die, eingehüllt in einem Klangteppich aus Urwaldgeräuschen, das Erlebnis lebendiger machen. Da mittlerweile zwei Drittel der südostasiatischen Regenwälder verloren und zahllose Lebewesen vom Aussterben bedroht sind, ist die Bedeutung des Regenwaldes und seine Zerstörung für das ökologische Gleichgewicht der Erde ein zentrales Thema.

Plakat zur Ausstellung Orang-Utan & Co, Grafik: Ingrid Rimbach

Veranstaltungen des Naturkundemuseums Kassel

Oktober 2009

16.10.2009, 19 Uhr
Fluoreszierende Mineralien
Bildvortrag von Sebastian Axt , Dortmund.
Veranstalter: VFMG (Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e.V.)

21.10.2009, 19 Uhr
Die Kommandeurinseln - hier wird der Wind geboren
Bildvortrag von Ulrich Wannhoff, Berlin.
Veranstalter: Freunde des Naturkundemuseums Kassel e. V.

27.10.2009, 19 Uhr
Die Amphibien und Reptilien in Nordhessen
Verbreitung - Gefährdung - Schutz
Bildvortrag von Detlef Schmidt.
Veranstalter: NABU (Naturschutzbund Deutschland, Ortsgruppe Kassel e.V.)

Alles für die Katz'

Natur- und Kulturgeschichte der Katzen

Die Sonderausstellung "Alles für die Katz" im "Ottoneum", dem Kasseler Naturkundemuseum, ist noch bis zum 18.10.2009 zu besichtigen.
Die Katze zählt zu den beliebtesten Haustieren der Menschen. Ihre Unabhängigkeit, ihr unbezähmbarer Geist aber auch ihre hingebungsvolle Zuneigung werden von Katzenfreunden geschätzt. Der "Stubentiger" war jedoch nicht immer ein umgänglicher Hausgenosse. Seine Wurzeln liegen im wilden Afrika und reichen viele tausend Jahre zurück.
Die neue Sonderausstellung zeigt auf über 400 qm die nicht weniger als 37 Arten umfassende wilde Verwandtschaft der Hauskatze in all ihren Facetten. An Duftstationen und Fühl-Boxen werden die Sinne der Katze nachempfunden und es wird gezeigt, warum Katzenaugen nachts leuchten. Mit mehreren Schädeln der längst ausgestorbenen Säbelzahnkatze begegnet den Besuchern auch die ferne Vergangenheit und sie erfahren, ob sich die Menschen hierzulande einst vor Löwen fürchten mussten.

Foto: Monika Remus, Flensburg

Ein schönes und außerordentlich informatives Buch zu dem Thema hatte übrigens 2008 das LWL Museum für Naturkunde in Münster im Rahmen einer gleichnamigen Ausstellung herausgebracht. Mehr über das Buch und die Ausstellung in Münster erfahren Sie hier.

Donnerstag, 24. September 2009

Die Trassen der vergessenen Eisenbahnen

Zeugen osthessischer Industriegeschichte

Stolz und nahezu unzerstörbar wirken die mächtigen Eisenbahnviadukte, denen man in der osthessischen Region gelegentlich begegnet, weil sie eine Landstraße überbrücken. Tatsächlich aber finden sich die stabilen, manchmal wie trutzige Burgen anmutenden Bauwerke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an zahlreichen Stellen. Denn in jener Zeit wurde auch das Werra- Meissner- Land mit dem Massentransportmittel des Industriezeitalters, der Eisenbahn, erschlossen. Kohle, Ton, Chemie, die Hauptindustriezweige des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in der Region benötigten zur Expansion moderne und leistungsfähige Transportkapazitäten.












Die Bedürfnisse der Industrie allein hätten sicherlich nicht ausgereicht, um den für den Bau von Eisenbahnstrecken im hessischen Mittelgebirge notwendigen wirtschaftlichen und technischen Aufwand zu betreiben. Die Eisenbahntrassen, die schmale und weite Täler überwinden, sich durch Berge fressen und an Höhenzüge anschmiegen mussten, waren auch Teil der strategischen sogenannten „Kanonenbahn“ Preußens und des Deutschen Reiches. Und so findet der Wanderer, der sich bewusst auf die Spuren der vergessenen Eisenbahnen begibt, viele Viadukte, Tunnel, Unterführungen und Trassen die zum Teil noch bis in das letzte Jahrzehnt in Betrieb gewesen waren, heute aber überwuchert, vergessen, umgenutzt, teilweise nahezu unsichtbar die Landschaft durchziehen.

Bahnhöfe und Bahnstationen fanden sich in Orten und Dörfern, denen man heute nie einen Bahnanschluss zugetraut hätte. Uengsterode, Laudenbach, Velmeden, seien hier nur als Beispiele genannt, Großalmerode, Witzenhausen, Eichenberg, früher wichtige Stationen des industriellen Eisenbahngüterverkehrs, heute gerade einmal Zwischenstationen des öffentlichen Personennahverkehrs.

Es ist eine faszinierende Expedition in die Geschichte der industrielellen Revolution, nicht nur in die Eisenbahngeschichte, verfolgt man die Spuren der vergessenen Bahnen durch das Werra- Meissner- Land. Beeindruckende Ingenieurleistungen, werden durch die imposanten Bauwerke dokumentiert, die die regionalen Industriestandorte wie beispielsweise Großalmerode, Hundelshausen, die Kohlezechen und die Steinbrüche miteinander verbunden haben. Und kaum jemand ahnt heute noch, dass Walburg bei Hesssich Lichtenau einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte der Region gewesen war, der Kreuzungspunkt von Lossetalbahn und Gelsterbahn.


Bilder oben: Eisenbahnviadukt bei Uengsterode;
Bilder unten: Eisenbahnknotenpunkt Walburg

Fotos: Wolfgang Schwerdt

Montag, 21. September 2009

Auf der Pirsch zwischen Fulda und Werra Teil III

Mit dem Fotoapparat auf der Jagd nach den Jägern

Natürlich sind hier nicht die Grünkittel gemeint, die mit Halali und archaischen Ritualen ihren Urinstinkten nachgehen. Es geht auch nicht um die Grünkittel, die sich die Hege und Pflege der Flora und Fauna zur Aufgabe gemacht haben. Nein es geht selbstverständlich um die tierischen Jäger, die uns scheinbar so vertraut, zumindest in den Dörfern der Region allenthalben begegnen –wenn sie wollen. Sicherlich muss man nicht in das Werra- Meissner- Land kommen, um ausgerechnet Hauskatzen zu finden. Aber wenn man schon einmal da ist . . . .

Appropos, wenn man schon einmal da ist. Der geneigte Leser wird verstehen, dass die kleine Fotosafari, die hier dokumentiert wird, weitestgehend in Wickersrode stattgefunden hat. Es hätte auch jedes andere Dorf in der Region sein können.
Auf den ersten Blick scheint es leicht, Katzen zu fotografieren, die ja überall auf der Straße herumlaufen und oft sogar unglaublich zutraulich sind.
Aber fotografieren Sie mal eine Katze, die, einmal angesprochen, damit sie ihr Gesicht in die Kamera dreht, freudig maunzend auf Sie zustürmt, um mit ihrem Kopf Ihr Schienbein zu rammen und die dann erhobenen Schwanzes wie betrunken, zwischen Ihren Beinen herumtorkelt. Da spielt kein Autofokus mit.













Die Charaktere der Katzen


Das andere Extrem ist die Scheue, die, die Sie nur zu Gesicht bekommen, wenn sie Sie nicht sieht, wenn Sie also gut versteckt sind oder wenn das Katzentier sich gerade auf seine Beute konzentriert. Da braucht man Geduld, will man den tierischen Jäger nicht stören und dann eine schnelle Reaktion, wenn das verwilderte Katzentier einen schließlich bemerkt hat kurz in die Kamera blickt und dann plötzlich an einer Stelle verschwindet, von der Sie gar nicht wussten, dass es sie gibt.

Wilde Katzen jagt man am Besten mit der Methode einer wilden Katze.
Am einfachsten zu fotografieren sind natürlich die Faulen, die ich mal diplomatisch als souverän und selbstbewusst bezeichnen möchte. Dick und breit liegen die meistens irgendwo herum und schauen oft leicht angewidert ob der Störung in die Kamera, bevor sie den Kopf abwenden und den freundlich schwafelnden Fotografen einfach ignorieren. Ja, solche Fotos haben durchaus auch ihren Reiz, zeichnen sich aber naturgemäß nicht durch allzu große Dynamik aus.













Die Gewohnheiten der Katzen


Ein wenig sollte man die Natur der Katzen schon kennen, wenn man sich auf Fotosafari begibt. Das Kameraobjektiv ist, übrigens nicht nur für Katzen, wie ein starrendes Auge. Und den Gegenüber anzustarren ist katzisch gesehen entweder eine unverhohlene Drohgebärde oder zumindest extrem unhöflich. Da heißt es sensibel sein und die Kamera möglichst nur dann auf die Katze richten, wenn man sich des schnellen, erfolgreichen Schusses relativ sicher sein kann.













Es empfiehlt sich ohnehin, die Katzen zuvor im Rahmen eines oder mehrerer Spaziergänge ein wenig zu beobachten, ihre jeweiligen Eigenheiten, ihre Reviere, ihre Zugehörigkeiten kennenzulernen. Man muss das zwar nicht übertreiben, sollte sich aber im Klaren sein, dass dörfliche Freigänger auch im Gegensatz zu Städtischen und erst recht zu Wohnungskatzen ihre ganz eigenen Gewohnheiten, Rechte und Pflichten innerhalb der kätzischen Dorfgemeinschaft mit ihren Einzelgängern und verschiedenen Katzenbanden und Revieren haben.













Und dass bedeutet, dass Dorfkatzen nicht immer Zeit haben, für die Kamera neugieriger Touristen zu posieren, manchmal erscheint der Ort auch völlig katzenleer. Man sollte die Zeiten kennen, in denen die Katzen aufgrund wichtigerer Angelegenheiten das Licht der Öffentlichkeit scheuen.

Fotos: Wolfgang Schwerdt

Sonntag, 20. September 2009

Die Täler der verborgenen Welten

oder die Geheimnisse der unsichtbaren Bäche


Nordöstlich des Eisbergs entspringt der Vockebach, der sich –ein Rinnsaal nur- an Reichenbach vorbeischlängelt, Wickersrode passiert, Vockerode- Dinkelbach durchfließt und schließlich in die Pfieffe mündet. Keine Chance hat dieser Bach, auf seinem kurzen Weg jemals ein Fluss zu werden. Kein Gewässer also, über das man Gedichte schreibt oder Lieder singt, an dessen Ufern seit Jahrhunderten wohlhabende Handelsstädte blühen, kein Strom, der mächtige Sagen gebiert oder als Wiege der Kultur gerühmt wird.

Nein, der Vockebach von zahlreichen aus den Höhenzügen plätschernden Wasseräderchen gespeist, schlängelt sich wie seine zahllosen Kollegen nahezu unbemerkt und ungeachtet von den Menschen, die nur Großes zu sehen in der Lage sind, durch sein verhältnismäßig breites Tal. Einzig die Baumreihen, die sich über dem Gestrüpp erheben, das die Felder der Bauern trennt und die sich wie eine Markierung in Schlangenlinie die Talsohle entlangziehen, verraten den kleinen, vom Wege aus unsichtbaren Bach, der gelegentlich auch durch sein plätschern und Gurgeln auf sich aufmerksam macht.

Kaum jemand schenkt dem schmächtigen Gewässer Aufmerksamkeit, warum auch. Im Sommer, wenn es heiß ist, kann man das Schwirren und Summen des Stechgeziefers schon aus einiger Entfernung vernehmen, keine Einladung zum Besuch der schattigen, kühlen Baumreihen. Zum Angeln ist das Bächlein viel zu klein, und bevor man es erreicht hat, haben einen die wehrhaften Kräuter und Sträucher des bachnahen Dickichts schon wieder in die Flucht geschlagen.

Aber es wird auch Herbst. Die Felder sind gemäht und der Blick auf den Streifen Wildnis, der sich mitten durch das Tal zieht, wird ein wenig klarer. Die meisten Menschen beachten das unsichtbare Bächlein immer noch nicht. Wer sich aber dem nun sichtbaren bunten Blüten und Blättermeer, das am Bach zwischen den Bäumen in der tiefstehenden Sonne leuchtet und funkelt, neugierig nähert, gerät Schritt für Schritt in eine andere Welt. Welch eine Vielfalt, welch eine Lebenskraft, die das unscheinbare Bächlein, das sich an nur wenigen Stellen nun dem Auge enthüllt, an seinen Ufern hervorzubringen in der Lage ist. Es tränkt die hohen, weitverzweigten Bäume, die sich den schmalen Streifen des von den Bauern unkultivierten Landes mit wucherndem Grünzeug und verwegenen Kletterpflanzen teilen und das lebensspendende Rinnsal nicht nur seit der Sommerzeit vor aufdringlichen Blicken, sondern auch vor dem unerbittlichen Durst der Sonne schützen.

Und nahe am Bach wird ebenfalls deutlich: Es ist gar kein schmaler Streifen mehr, war es noch nie. Da offenbaren sich sonnenüberflutete Wiesenflecken, die zwischen Bachverzweigungen und an Zuläufen oder zwischen Bach und nahegelegenem Waldrand Rehen das weitestgehend ungestörte Äsen erlauben. Die kleinen aber feinen Oasen mitten in der bäuerlichen Kulturlandschaft bilden eine eigene, verborgene Welt, beinahe noch ungestörter als in den großen Wäldern der umliegenden Höhenzüge.
Und wer an seine Sommerspaziergänge zurückdenkt, der wird sich erinnern: da war doch immer der rotbeinige, gelbschnabelige Schwarzstorch, der ebenso wie der graue Fischreiher auf leisen Flügeln am Bachsaum entlanggeglitten war oder regungslos in den umliegenden Wiesen gestanden hatte.

Mehr als jeder Fluss, jeder Strom zeigen die unzähligen kleinen Bäche und Rinnsale, welche Lebenskraft im Wasser steckt. Man bedenke, wie viel Pflanzen, Tieren und Menschen von den bescheiden dahinplätschernden Bächlein leben. Und man vergesse nicht, dass so mancher kleine Bach zudem in der Vergangenheit zahlreiche Mühlräder angetrieben um die unersättlichen Menschen mit Energie zu versorgen, bevor er am Ende, vereint mit seinen zahllosen Geschwistern die großen, vielbesungenen und vielbeachteten Ströme mit seinem Wassern speist.

Fotos: Wolfgang Schwerdt

Donnerstag, 10. September 2009

Auf der Pirsch zwischen Fulda und Werra Teil II

Mit dem Fotoapparat zu den alten und bedrohten Haustierrassen

Leider gibt es derzeit in der Werra- Meissner Region keinen sogenannten Arche-Hof. Dass aber die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) in Witzenhausen angesiedelt ist zeigt, dass es auch hier Menschen gibt, die sich diesem Thema verschrieben haben. Und so kommt es beim Streifzug durch Täler und Berge des Werra- Fulda- Dreiecks zu so mancher Begegnung der besonderen Art.

Nicht so furchtbar selten, aber dennoch als alte und bedrohte Haustierrasse eingestuft, ist beispielsweise die Thüringer Waldziege. Relativ groß werden die braun und weiß gezeichneten Vertreter der meckernden Zunft, die es als gehörnte und hornlose Ausführung gibt.
Die Toggenburger Ziege aus der Schweiz war Ende des 19. Jahrhunderts nach Thüringen eingeführt und mit der Thüringer Landziege gekreuzt worden. Das Ergebnis: ein mit 70- 85 Zentimeter Widerristhöhe und 40 bis 70 Kilogramm recht großes sehr robustes Ziegentier mit einer guten Milchleistung und Fruchtbarkeit. Mehrlingsgeburten sind hier keine Seltenheit. Trotzdem ist diese Rasse vom Aussterben bedroht. Gab es 1936 noch mehr als 57.000 Exemplare, so war der Bestand nach Angabe des Vereins Vielfältige Initiative zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen im Jahr 2002 auf gerade einmal 500 Tiere geschrumpft. Bis heute ist durch intensive Zuchtprogramme der Bestand wieder gewachsen. Das Problem des beschränkten Genpools besteht aber nach wie vor, die Bedrohung dieser wunderschönen Nutztierrasse, von der vier Exemplare derzeit auf dem Reiterhof Witzenhausen leben, bleibt bestehen.

Zur Landschaftspflege wird die sogenannte Skudde heute eingesetzt. Das Schaf (hier bei Laudenbach) ist zwar klein, aber widerstandsfähig und kann auf eine sehr lange Vergangenheit zurückblicken. Besonders imposant wirken die Widder mit ihren mächtigen gedrehten Hörnern. Die weißen oder dunklen Skudden sind schon lange wirtschaftlich uninteressant und haben sich heute vor allem bei Hobbyhaltern etabliert. In den 30er Jahren waren die urigen Skudden bereits so gut wie ausgestorben, nur durch die Aufnahme einer Zuchtpopulation im münchener Tierpark Hellabrunn im Jahre 1941 konnte die Rasse überhaupt erhalten werden.

Gänse gehören selbst zu Weihnachten nicht unbedingt zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Trotzdem ist Anblick einer großen über ausgedehntes Grünland streifenden Gänseherde wie bei Velmeden zu beobachten, heute eher eine Seltenheit und durchaus wert, mit dem Fotoapparat "erjagt" zu werden.

Man sieht, eine Fotosafari zum Thema alte und bedrohte Haustierrassen, lohnt sich hier in jedem Fall. Schließlich handelt es sich bei den hier vorgestellten Rassen nur um eine winzige Auswahl. Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass Pferde, Schweine, Hunde oder diverses Geflügel in diesem Artikel schlichtweg nicht berücksichtigt worden sind. Ach ja, und nur ganz nebenbei bemerkt, den einen oder anderen vierbeinigen Esel gibt es natürlich auch, dabei nicht wenige, die im Gegensatz zu den Zweibeinigen zu den gefährdeten Haustierrasen gehören.

Auf der Pirsch zwischen Fulda und Werra Teil I

Mit dem Fotoapparat auf den Spuren der domestizierten Tierwelt

Es ist erstaunlich, welchen ungewöhnlichen Tieren man im Dreieck zwischen Fulda und Werra begegnen kann. Dabei ist hier nicht die Rede von der faszinierenden Wildtierwelt mit Rot- und Schwarzwild, mächtigen Greifvögeln vom Milan über Falke bis zum Uhu. Es geht hier auch nicht um, Wildkatze oder Luchs, die sich den Blicken der Besucher eher entziehen, inzwischen aber in unseren Wäldern wieder heimisch sind. Eine Fotosafari auf den Spuren interessanter Haus- und Nutztiere ist Thema dieser kleinen Expedition.


Eigentlich sind alle Tiere interessant und selbst die "gemeine" Kuh gibt schöne Fotomotive ab. Groß sind die Herden, die im Frühjahr mit ihren Kälbern auf die Weide gebracht werden und im Sommer überall auf den Koppeln ihrem Geschäft "Fressen und Wiederkäuen" nachgehen, nicht. Dafür aber bunt, vielfältig und manchmal auch unterhaltsam.


Aber natürlich findet man hier nicht nur das gewöhnliche deutsche Hausrind. Irgendwo zwischen den Dörfern, auf einer Koppel am Waldrand beispielweise tauchen recht unvermutet auch mal ein paar der hornlosen, zotteligen Gallowy-Rinder auf und im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Fürstenhagen tummeln sich die noch zotteligeren und weitschweifig gehörnten Highland Cattles der Herde "von der Fakenau".


Die aufgeweckten Ziegen freuen sich über jede Abwechslung. Nein, es geht nicht immer nur um´s Futter, reine Neugier treibt die "Koboldartigen" zu intellektueleln Höchstleistungen. Das Posen vor der Kamera ist da noch die leichteste Übung. Und wer den gewitzten Hörnertieren nicht widerstehen kann, der sollte sich trotzdem zusammenreißen. Füttern fremder Tiere ohne Erlaubnis und erst recht durch oder über einen Zaun ist aus gutem Grunde generell verboten, auch wenn es nicht ausdrücklich "geschrieben" steht. Und wenn so manches Tier der gierigen Linse des gezückten Fotoapparates nur verächtlich das breite Hinterteil zuwendet, der Versuch, die Tiere für ein besseres Fotomotiv anzulocken ist nicht minder problematisch als das Füttern. Dabei geht es nicht nur um die Frage der Tiergesundheit, sondern auch darum, dass die Tiere nicht den Respekt vor dem Koppelzaun verlieren, der materiell in den seltensten Fällen ein echtes Hindernis darstellt.


Pferde findet man in der nordhessischen Region aller Orten, und man muss nicht nur ein Gestüt oder einen Reiterhof aufsuchen, um ihnen zu begegnen. Nach einiger Zeit des Durchwanderns der Region wundert es auch nicht mehr, wenn man beispielsweise von einem Bergrücken aus der Ferne misstrauisch beobachtet wird, oder mitten im Wald auf einen gescheckten Tinker stößt. Und zum Knuddeln, der Nachwuchs, insbesondere dann, wenn es sich um Shettyfohlen handelt. Beim Weg durch die nordhessische Mittelgebirgswelt stößt man auf nahezu alle gängigen, aber auch ausgefallene Pferderassen, für Pferdefans sicherlich ein interessanter Schwerpunkt für eine spezielle Fotosafari -mit zahlreichen Reitmöglichkeiten.